Misteltherapie

 

 

 

 

Zur Misteltherapie

 

Die Misteltherapie zur Krebsbehandlung ist keine Methode der Alternativmedizin, sondern sollte allenfalls als komplementär-medizinische Behandlung in Zusammenhang mit anderen Therapien betrachtet werden. Gleich zu Beginn dieses kurzen Beitrages muss jedoch festgestellt werden, dass es für die Misteltherapie keine wissenschaftliche medizinische Grundlage für eine krebsheilende Wirkung gibt. Trotz zahlreicher Studien wurden keinerlei Wirkungen gefunden, die über eine Placebowirkung hinausgehen.

 

Hierzu ein Zitat aus der Wikipedia-Enzyklopedie: „Die Anwendung der Mistel in der Tumortherapie hat weder eine traditionelle noch eine experimentelle Grundlage, sondern leitet sich aus Anschauungen Steiners(1) ab, der unter anderem auf die Analogie zwischen dem parasitären Wachstumsmuster der Mistel und dem Tumor hinwies“.

 

Es ist erstaunlich, dass der renommierte Elsevier-Verlag u.a. einen Beitrag der Professoren Thomas Ostermann und Arndt Büssing (Uni Witten/Herdecke) in seiner Sonderausgabe der “Elsevier’s Monthly Research Selection” zu Weihnachten 2012 publiziert(2), wo in einer „Metaanalyse“ (also nicht etwa in einer neuen klinischen Studie) die Ergebnisse von vier „retroelelektiven“ Studien (zwischen 1985 und 2002) mit insgesamt 3324 Patienten vorstellt werden. Beide Professoren vom Zentrum für Integrative Medizin der Uni Witten/Herdecke weisen allerdings auf die Problematik retroelektiver Studien hin.

 

Es gab auch bereits andere solcher Studien (u.a. von Grossarth-Maticek et al.) auf deren Fragwürdigkeit das „Deutsche Ärzteblatt“ bereits 2004 hinwies (3).

 

Insgesamt gilt die Misteltherapie als pseudowissenschaftlich und auch berühmte Markennamen von Mistelextrakten wie z.B. Iscador machen die Behandlung nicht vertrauenserweckender.

 

Wenn man als Pharmaforscher trotzdem nach einem wissenschaftlichen Anhaltspunkt suchte, so fiele einem allenfalls die „unspezifische Reiztherapie“ ein – aber auch solche Wirkungen ließen sich durch Studien nachweisen.

 

Dass Krebspatienten jedem Hoffnungsanker nachgehen, ist verständlich – neben der unverzichtbaren Schulmedizin können sicher auch zusätzliche Methoden der Alternativmedizin hilfreich sein, auf esoterische Behandlungsmethoden sollte jedoch verzichtet werden.

 

(AR)

 

(21.12.2012)

 

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(1) Rudolf Joseph Lorenz Steiner (1861-1925) war österreichischer Esoteriker,  Philosoph und Begründer der Anthroposophie

 

(2) http://www.explorejournal.com/article/S1550-8307(12)00130-9/abstract

 

(3) http://www.aerzteblatt.de/archiv/39983

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg