Krebsbehandlung – ein Ausblick



 

Die medizinische Forschung ist derzeit noch weit davon entfernt, Krebs heilen zu können, allerdings besteht die berechtigte Hoffnung, bei den meisten Krebspatienten ihre Erkrankung in eine Art chronisches Leiden zu überführen. Die Forschung zielt derzeit darauf ab, entweder  die durch den Krebs verursachten Veränderungen des Immunsystems wieder rückgängig zu machen, oder aber das Immunsystem so zu stärken, dass es dem Krebs nicht mehr hilflos gegenübersteht.

 

Hierzu ein wörtliches Zitat aus dem Schweizer Börsenfachblatt "Finanz und Wirtschaft"

 

„Das menschliche Abwehrsystem erkennt krankes Gewebe normalerweise und zerstört es. Damit dies nicht unkontrolliert geschieht, bilden die Immunzellen nach zwei Tagen eine Art Stecker (Rezeptor), der sich mit der Steckdose (Ligand) der verbliebenen Zellen verbindet. Kommt eine solche Verbindung zustande, wird die Immunzelle inaktiv. Es konnte gezeigt werden, dass auch ein Tumor diesen Bremsmechanismus auslösen kann, schreiben Ulf Petrausch und Bernhard C. Pestalozzi von der Klinik für Onkologie des Universitätsspitals Zürich im «Schweizerischen Medizin-Forum». Anders ausgedrückt: Krebszellen suchen genau diese Verbindung, um der Immunzelle vorzutäuschen, der Tumor sei ein ­gesunder Bestandteil unseres Körpers. Gelingt es, den Kontakt zu trennen, kann das Immun­system den Krebs selbständig bekämpfen. Nicht alle Tumore setzen an derselben Verbindung an. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass die Verknüpfung PD-1 (Rezeptor) und PD-L-1 (Ligand) bei den meisten Krebsarten vermehrt vorkommt“ (Ende des Zitats).

 

PD-1 und PD-1L

 

Die Anordnung des Ligand PD-1 Empfänger/PD-L1 Komplexes überträgt ein hemmendes Signal, das die starke Verbreitung der CD8+ T Zellen (s. Anm.) in Lymphknoten verringert. Die Bedeutung von PD-1 ist weiter, fremde Antigene der spezifischen T Zellen in den Lymphknoten durch Apoptose („Zellmorprogramm“) zu steuern, wodurch eine niedrigere Regelung des Gens Bcl-2 vermittelt wird. (Bcl-2, Abk. für engl. B-cell lymphoma) ist ein Protein und der Prototyp der gleichnamigen Proteinfamilie, welche bei der Regulation des programmierten Zelltods eine Rolle spielen.

 

Anm.: Der CD8-Rezeptor oder einfach nur CD8 ist ein Erkennungsmolekül, das eine wesentliche Rolle im Immunsystem eines höheren Organismus spielt.

Zu PD-1 und PD-L siehe a. die Publikation in OncLive v. 11.Nov.2013): “PD-1 and PD-L1 Inhibitors Expected to 'Change the Landscape' of Lung Cancer Treatment” (1)

 

Dieser Forschungsansatz geht weit über die Behandlung mit den bisher verfügbaren monoklonalen Antikörpern (über die in diesem Magazin regelmäßig berichtet wird) hinaus. Da es sich ebenso wie der Erforschung monoklonaler Antikörper um eine äußerst kostspielige Forschung handelt, beschäftigen sich derzeit nur einige wenige Pharmagroßkonzerne mit solchen Forschungsansätzen (u.a. Novartis, Roche, Bristol Myers)

 

(AR)

(17.2.2014)

 

(1) http://www.onclive.com/conference-coverage/nyl-2013/PD-1-and-PD-L1-Inhibitors-Expected-to-Change-the-Landscape-of-Lung-Cancer-Treatment

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg