Aspirin plus Cobalt

 

 

 

Aspirin - Kalottenmodell (Public Domain)

 

 

Aus uralten Wirkstoffen können neue innovative Arzneimittel werden – Aspirin plus Cobalt gegen Krebs

 

  

Aspirin ist eines der ältesten und bestuntersuchten synthetischen Arzneistoffe überhaupt. Es war zwar als Naturstoff in Weidenrinden seit der Antike bekannt (Hippokrates berichtet darüber, 1828 wurde das „Salicin“, ein Vorläufer des Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS) durch Johann Andreas Buchner aus Weidenrinden isoliert und auch andere Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts haben sich mit dem Stoff beschäftigt, bis 1897 chemisch reines Aspirin schließlich durch die Firma Bayer synthetisiert und als Arzneimittel in den Handel gebracht wurde.

 

So gesehen ist Aspirin kein innovatives Mittel im herkömmlichen Sinn, im Laufe der Zeit wurden jedoch völlig neue Erkenntnisse und Anwendungsmöglichkeiten von Aspirin erkannt, es ist somit eines der bestuntersuchten Arzneimittel überhaupt. Bisher wurden eine ganze Reihe scheinbar unterschiedlicher Anwendungsgebiete gefunden. Zunächst wurde Aspirin als schmerzstillendes und fiebersenkendes Mittel verwendet. Als Antirheuma-Mittel hat Aspirin in größeren Dosen (500 – 1000 mg) zusätzlich einen festen Platz in der Rheumatherapie. Später wurde entdeckt, dass Aspirin (ASS) als Hemmer der Cyclooxygenase COX-1 schon in kleinen Mengen (30 – 50 mg) gerinnungshemmend wirkt, weshalb es nach 1965 eine besondere Bedeutung zur Vermeidung von Herzinfarkten oder Reinfarkten bekam. In diesem Zusammenhang wurde die ASS seit etwa 1965 mit den modernsten Prüfungsverfahren in Langzeitversuchen getestet, weshalb die eingangs erwähnte Feststellung, dass es sich um eine der bestuntersuchten Verbindungen handele, gerechtfertigt ist. Aspirin ist ein an sich gut verträgliches Arzneimittel, es gibt jedoch Patienten, bei denen, insbesondere bei höherer Dosierung z.B. in der Rheumatherapie, Magenblutungen auftreten können. Sogar bei kleineren Dosierungen sind manche Patienten diesbezüglich besonders empfindlich. Neue galenische Zubereitungen z.B. als Dragée sind wesentlich besser verträglich und werden heute als Thrombo-ASS in kleinen Dosen zur Herzinfarktprophylaxe eingesetzt. Man kennt den Wirkungsmechanismus heute ziemlich genau, an dieser Stelle soll jedoch nicht näher auf die komplizierten biochemischen Mechanismen eingegangen werden. Seit einiger Zeit glaubt man, dass die oben erwähnte Hemmung von Enzymen der COX-Familie nicht nur bei Entzündungsprozessen eine wichtige Rolle spielt, sondern auch eine Antitumorwirkung aufweist, wobei die Wirkung von Aspirin möglicherweise als Cobaltkomplex verstärkt wird.

 

In der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie” wurden jetzt (2009) solche Versuche beschrieben, die durchaus als innovativ bezeichnet werden können, nicht nur, weil eine mögliche zytostatische (krebshemmende) Wirkung bekannt wurde, sondern weil man immer wieder entdeckt, dass an sich altbekannte Arzneimittel durch Koppelung mit Metall-Ionen ganz neue Wirkungen aufweisen können.

 

Ausgangspunkt für derartige Forschungen mit metallorganischen Verbindungen waren die schon seit längerer Zeit bekannten Cisplatine (cis-Diamindichloroplatin) die als Chemotherapie bei verschiedenen Krebsformen bereits angewendet werden. Dadurch ist das Interesse an solchen Verbindungsklassen besonders gestiegen.

Durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert hat ein Team, bestehend aus Wissenschaftlern aus Berlin, Bochum, Innsbruck und Leyden im Rahmen des Projektes “Biologische Funktion von Organometallverbindungen” festgestellt, dass “Co-ASS” (ein Hexacarbonyldicobalt-Aspirin-Komplex), die Aktivität der Cyclooxygenase COX in anderer Weise inhibiert als Aspirin. Die Wirkung von Aspirin beruht auf der Acetylierung eines Serinrestes im aktiven Zentrum des Enzyms (COX). Der Kobaltkomplex Co-ASS greift diese Seitenkette nicht an, acetyliert dafür jedoch andere Stellen, wodurch ein anderes Wirkungsspektrum beobachtet wird. In Experimenten mit Zebrafischembryos wurde nachgewiesen, dass der Aspirin-Cobalt-Komplex nicht nur das Zellwachstum hemmt, sondern anders als normales Aspirin, auch die Angiogenese, d.h. die Neubildung von Blutgefäßen hemmt.

 

Anm.: Tumore brauchen zu ihrem Zellwachstum eine erhöhte Blutzufuhr. Seit einiger Zeit wird durch verschiedene Forschungsansätze versucht, die Bildung neuer kleiner Blutgefäße (Angiogenese) zu verhindern, wodurch der Tumor „ausgehungert“ wird und schrumpft.

 

Co-ASS wirkt auch noch mit anderen Mechanismen in die Stoffwechselvorgänge von Tumoren ein, u.a. wird dadurch das Enzym Caspase aktiviert, welches ebenfalls einen programmierten Zelltod fördert.

 

(AR)

 

(24.01.2009)

 

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg