Regorafenib, Stivarga® - zur Behandlung des kolorektalen Karzinoms

 

Regorafenib, Public Domain

 

 

Der Tyrosinkinaseinhibitor Regorafenib ist in den USA seit 2012 und seit Ende 2013 auch in der EU zugelassen. Die Substanz wird beim metastasierten Kolonkarzinom (mCRC) eingesetzt, wenn vorangegangene Behandlungen mit Cytostatica (z.B auf Fluorpyrimidinbasis, oder eine Anti-VEGF-Behandlung keinen Erfolg hatten oder wenn diese aus anderen Gründen nicht anwendbar waren.

 

Wirkungsweise

 

Regorafenib wirkt durch Hemmung multipler Proteinkinasen der Angiogenese wie VEGFR, VEGFR oder TIE2) und der Onkogenese der Tumorumgebung (KIT, RET, RAF-1, BRAF, BRAFV600E, PDGFR, FGFR) antitumoral. Es handelt sich nach „Informationen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft“ (1) um eine „last-minute“ Behandlung. (Stand Januar 2014), partielle oder komplette Remissionen konnten in Studien nicht erzielt werden.

 

Dazu sei eine Bemerkung des Autors von PHARMA SELECTED erlaubt: So tragisch die Situation von PatientInnen im Endstadium ist, so sind doch Bedenken nach Durchsicht der unter (1), wiedergegebenen Studien angebracht. Bei relativ geringen Steigerungen der Überlebenszeit (wenige Monate) und beachtlichen Nebenwirkungen (u.a. Lebertoxizität, Appetitlosigkeit, Hämorrhagie, Diarrhoe, Stomitis etc.) erhebt sich die Frage, ob die Behandlungskosten von 5573 € für einen Therapiezyklus bzw. 33438 € für 6 Therapiezyklen – alle Angaben siehe Literaturstelle (1), siehe auch (2), sinnvoll sind. Allen Bedenken gegen die sowieso nicht mehr abstreitbare „Zweiklassenmedizin“ wird hier neue Nahrung gegeben.  

Es steht außer Frage, dass die Entwicklungskosten solcher Substanzen extrem hoch sind, nur sollte das Kosten/ Nutzenverhältnis bei der Zulassung derartiger Substanzen stärker berücksichtigt werden. Hohe Kosten sind dann gerechtfertigt, wenn den Krankenkassen durch verkürzte stationäre Behandlungszeiten keine unzumutbaren Belastungen entstehen.

 

Hersteller:  Bayer HealthCare Pharmaceuticals Inc. und Onyx Pharmaceuticals  Inc. 

 

(AR)

(4.3.2014)

 

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Quellen:

(1)     http://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/NA/Archiv/201402-Stivarga.pdf

(2)     https://www.iqwig.de/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen/regorafenib_anhaltspunkt_fur_geringen_zusatznutzen.5367.html

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg