Alemtuzumab, Lemtrada® - jetzt auch gegen Multiple Sklerose zugelassen

 


 

 

Der bisher zur Behandlung von chronisch lymphatischer Leukämie zugelassene monoklonale Antikörper Alemtuzumab hat jetzt die Zulassung zur Behandlung von Multipler Sklerose erhalten(1).

 

Zur Vorgeschichte

 

Leider ist die Zulassung von Lemtrada® ein Beispiel für fragwürdiges und krasses „Indikations-Hopping“, d.h. das frühere Medikament MabCampath® mit dem Wirkstoff Alemtuzumab gegen Leukämie wurde vom Markt genommen und erheblich teurer (siehe Anm.) als MS-Mittel neu zugelassen(2). Zwar wirkt Lemtrada bei MS erheblich besser als Mittel der Standardtherapie (Beta-Interferone, Immunmodulatoren und Glucocorticoide) - die Nebenwirkungen von Lemtrada sind jedoch beträchtlich. Solche Nebenwirkungen sind bei einer Krebsbehandlung eher tolerierbar als bei Erkrankungen wie MS, die zwar nicht heilbar, jedoch inzwischen den Umständen entsprechend befriedigend behandelbar ist.

 

Anm.:  Das Mittel MabCampath® wurde von Sanofi 2012 aus dem Handel genommen und kostete damals 21 € pro Milligramm, das neue Lemtrada der Firma Genzyme (zur Sanofigruppe gehörig) soll 886 € (!) kosten(2).

 

Wirkungsweise und Vorteile/ Nebenwirkungen von Alemtuzumab

 

Alemtuzumab ist ein gentechnologisch hergestellter, humanisierter monoklonaler IgG1k – Antikörper, der spezifisch an das Glycoprotein CD52 auf der Zelloberfläche von normalen und malignen bindet und diese zerstört.

 

Der Vorteil der Substanz ist, dass sie als Infusion nur einmal pro Jahr gespritzt werden muss (im ersten Jahr 5 mal an aufeinanderfolgenden Tagen, im nächsten Jahr nur 3 mal). Neuerliche MS-Schübe blieben nach der Behandlung zu ca. 74 % aus, allerdings sind Langzeitdaten noch nicht bekannt.

 

Anm.: Die Ergebnisse einer doppelblinden Phase-II-Studie (CAMMS223), die über drei Jahre die Wirkung von Alemtuzumab gegenüber Interferon -Beta 1a s.c. bei 334 MS-Patienten untersuchte, liessen vermuten, dass die Wirkung von Alemtuzumab der von Interferon überlegen ist. (Zitat: Wikipedia-Enzyklopedie).

 

Zu den zahlreichen Nebenwirkungen ist bekannt, dass bei Studien knapp ein Viertel der Patienten eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung erlitt, dass es zu Blutungsneigungen kommen kann (in einem Fall mit tödlichem Ausgang), weiters kam es zu Atemwegs- und Harnwegsinfektionen bis hin zur Verminderung von weißen Blutkörperchen (Leukopenie, Lymphopenie) (2).

 

(AR)

(7.3.2014)

 

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http://www.amsel.de/multiple-sklerose-news/medizin/Lemtrada-als-Medikament-gegen-Multiple-Sklerose-zugelassen_4898

 

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/politik/news/2014/01/10/bundesregierung-ein-seltener-einzelfall/11818.html

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg