PHARMA SELECTED - Magazin für innovative medizinische und pharmazeutische Forschung. Ausgewählte Beiträge zur Stammzellen- und gentechnologischen Forschung, sowie zu neuen Arzneimittelstoffen.

Das Magazin PHARMA SELECTED versucht, interessante originelle Ideen aufzupüren, bei denen zumindest ansatzweise die Hoffnung besteht, entweder den Erkenntnisstand eindeutig zu erhöhen oder im günstigsten Fall, zu einem wertvollen therapeutisch einsatzfähigen Produkt zu führen.

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NEUE BEITRÄGE 

Gilenya® (Fingolimod)– update erweiterte Zulassung in der EU auch für Kinder und Jugendliche bei Multipler Sklerose

(andere Erkrankungen)

Vor Kurzem wurde eine Warnung von der FDA beim Gebrauch dieses Mittels ausgesprochen - siehe dieses Magazin(1). Jetzt hat Novartis eine erweiterte Zulassung erhalten: künftig dürften auch Kinder und jugendliche Patienten, die an Multipler Sklerose leiden, mit dem Mittel behandelt werden.

Die Entscheidung der Europäischen Kommission basiere auf den Ergebnissen aus der PARADIGMS-Studie, berichtete der Konzern am Donnerstagmorgen 29.11.2018. I der Studien hatte sich gezeigt, dass Gilenya die Rückfallraten um 82 Prozent gegenüber einer Interferon-beta-1a-Behandlung deutlich reduziert habe.

 

Wie der Konzern weiter erklärte, leiden junge MS-Patienten häufiger an schwerwiegenden Rückfällen als Erwachsene. Gilenya ist die erste und einzige Therapie, die auch für diese jungen Menschen nun in der EU zugelassen ist. Für erwachsene Patienten ist das Mittel schon länger zugelassen.

Zugelassen ist das Mittel bekanntlich seit 2010. Dabei wird es zur Behandlung der schubförmig auftretenden MS, der sogenannten relapsing MS, eingesetzt. Gilenya war im letzten Jahr mit fast 3,2 Mrd. USD das umsatzstärkste Medikament im Portefeuille von Novartis. An einem Investorenanlass Anfang November pries das Unternehmen Gilenya als sichere und im Vergleich mit der Konkurrenz effektivere Behandlung der multiplen Sklerose an. Man verwies auf insgesamt positive Daten bei mehr als 260’000 behandelten Patienten weltweit (2).

 

Zum Wirkmechanismus von Gilenya (Fingolimod) besuchen Sie bitte die unter (3) angegebene Seiite dieses Magazins

 

(AR 30.11.2018)

 

Siehe auch:

(1). Gilenya® (Fingolimod)– Update bzw. erweiterte Zulassung in der EU auch für Kinder und Jugendliche bei Mulipler Sklerose

(2)  https://www.fuw.ch/article/novartis-erhaelt-eu-zulassung-fuer-ms-medikament/

(3) Gilenya®, Fingolimod (Novartis) ein Mittel gegen schubförmige Multiple Sklerose – Warnung durch FDA

 

 

Luxturna® - eine Gentherapie gegen eine seltene Form von Makuladegeneration im Jugendalter

(andere Erkrankungen)

 

Wie Novartis am Freitag, den 23.11.2018 mitteilte, hat die EU-Kommission die Zulassung für seine Gentherapie Luxturna® erteilt. Die Betroffenen erblinden oft in jungen Jahren.

Die Zulassung für die Gentherapie Luxturna® (Voretigen neparvovec) ist laut der Deutschen Presse-Agentur keine Überraschung, nachdem der EU-Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) Mitte September eine positive Empfehlung für das Mittel abgegeben hatte. Indikation ist eine erbliche Augenerkrankung, die auf eine Mutation im RPE65-Gen zurückzuführen ist und zum vorzeitigen Untergang der Netzhaut führt. Das Gen codiert nämlich ein Enzym namens Retinoid-Isomerohydrolase, welches in den Pigmentepithelien der Retina wird und für das Recycling des Sehpigments benötigt wird. Bei von dieser vererbten Mutation der Betroffenen, bei denen beide Allele mutiert sind, kommt es zu einem schrittweisen Verlust des Sehvermögens, das sich bereits im frühen Kindesalter bemerkbar macht. Eines der ersten Symptome ist ausgeprägte Nachtblindheit(1).

 

Bei Licht ist die Sehschärfe beeinträchtigt, über die Jahre wird das Sehfeld immer kleiner. Viele Betroffene erblinden im Alter von etwa 20 Jahren vollständig. Die Erkrankung wird autosomal­-rezessiv vererbt und ist relativ selten. In Deutschland sind schätzungsweise 200 Menschen betroffen. Mutationen im RPE65-Gen gehören zu einer Reihe von schätzungsweise 220 Gendefekten, die zu einem vorzeitigen Absterben von Retinazellen führen.

 

Im Gegensatz zu CAR-T-Zellen (CAR=chimeric antigen receptor) bei der patieneigene Zellen ex vivo therapeutisch behandelt und zurückgeführt werden, wird Luxturna® direkt appliziert, nämlich unter die Netzhaut. Es handelt sich dabei um adenoassoziierte Viren, die Pigmentzellen der Netzhaut „infizieren“ und dort eine korrekte Version des RPE65-Gens einbringen. Die Zelle ist dann in der Lage wieder ein funktionsfähiges RPE65-Protein herzustellen. Der Gendefekt wird sozusagen repariert. Darin besteht ein weiterer Unterschied zur CAR-T-Zell-Therapie, bei der keine spezifische Mutation therapiert wird, sondern die genetische Information für die Bildung von CAR zusätzlich eingebracht wird. 

 

Einmal abgestorbene Retinazellen können mit Luxturna® nicht wiederbelebt werden, weswegen die Therapie möglichst früh begonnen werden soll(2).

 

Es ist noch nicht bekannt, wie lange die Wirkung anhält, da es noch keine diesbezüglichen Zulassungsstudien gibt. Frühere, kleinere Studien deuten an, dass der Effekt mindestens drei Jahre lang anhält. In den USA, wo das Mittel schon länger zugelassen ist, betragen die Therapiekosten USD 850,000, in Europa wird das Präparat sicherlich etwas billiger, aber wie alle Gentherapien teuer bleiben.

Entwickelt wurde Luxturna vom US-Unternehmen Spark Therapeutics. Novartis hatte die Therapie Ende Januar 2018 über eine Lizenzvereinbarung übernommen. Die Schweizer dürfen Luxturna® in allen Ländern außerhalb der USA vertreiben. 

 


Quellen:

 (1)     https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/23/gentherapie-gegen-erblich-bedingte-augenerkrankung-in-der-eu-zugelassen

(2)    jborsch@daz.online

(AR, 24.11.2018)

Fingolimod Struktur - © Public Domain

 

Fingolimod ist eine chemische Verbindung die unter dem Handelsname Gilenya als Arzneisoff zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) seit 2011 in den USA, der EU und in der Schweiz zugelassen ist. Es handelt sich um ein Suppressivum und ist eine synthetische Nachbildung des natürlichen Wirkstoffs Myriocin (1) aus dem Pilz isaria sinclairii.

 

Fingolimod ist in der EU zur Behandlung von Patienten mit hochaktiver, schubförmig-remittierender MS als Alternativtherapie nach einer Behandlung mit Interferon-Beta oder bei einer rasch fortschreitenden schweren MS zugelassen.

 

In der Entwicklungsphase III wurde seit 2006 untersucht, ob die in der Phase II beobachteten Wirkungen über längere Zeit stabil bleiben bzw. ob eine Behandlung mit Fingolimod die Entwicklung der mit MS verbundenen Behinderung verlangsamen kann. Diese Studien wiesen eine Wirksamkeit hinsichtlich der Schubrate bei Patienten mit primär-progredienter Multipler Sklerose auf. Bis Ende 2014 wurde jedoch erfolglos die Behandlungsoption für Patienten mit primär-progredienter Multipler Sklerose untersucht. 

 

Zum Wirkungsmechanismus

Fingolimod wirkt als Sphingosin-1- Analogon (2). Im Gegensatz zu vielen bisher verfügbaren immunsuppressiven Medikamenten werden durch Fingolimod die Immunzellen nicht abgetötet oder an ihrer Vermehrung gehindert. Stattdessen hemmt Fingolimod die Wanderung von Lymphozyten aus den lymphoiden Organen ins Blut und damit die Zahl der entzündungsfördernden Lymphozyten, die im Zentralnervensystem schädigend wirken könnten (3).

 

Novartis testete Fingolimod auch in Kombination mit Cyclosporin zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion nach Nierentransplantationen In der klinischen Prüfung der Phase III zeigten sich jedoch Nebenwirkungen wie z.B. Makula-Ödeme, besonders bei Diabetikern mit Prädisposition zu Retinopathie. Ferner trat eine leichte Funktionseinschränkung der frisch transplantierten Nieren auf, weshalb die Entwicklung von Fingolimid eingestellt wurde.

 

Jetzt hat die US-Gesundheitsbehörde Novartis gewarnt. Die Behörde sagt, wenn die Behandlung gestoppt werde, könne die Krankheit viel schlimmer werden als vor Beginn oder während der Einnahme des Medikaments. Diese Verschlechterung sei selten, könne aber zu einer dauerhaften Invalidität führen, hieß es weiter (4)

 

(1). Myriocin (Cayman Chemical) https://www.caymanchem.com/product/63150

(2). Sphingosin ist ein einfach ungesättigter Aminoalkohol, dessen Moleküle aus 18 Kohlenstoffatomen, einer Aminogruppe und zwei Hydroxygruppen bestehen und wird im Körper aus Palmitoyl-CoA und Serin synthetisiert (siehe Wikipedia-Enzyclopädie)

     (3). Quelle: Wikipedia- Enzyklopädie

     (4). Finanz und Wirtschaft v. 21.11.2018

 

(AR, 21.11.2018)

 

 

(Demenz Erkrankungen)

 

Verschiedene Ansätze und Versuche

Eltrombopag - Public Domain

Infektionskrankheiten

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg