Darmkrebs: Gute Chancen für die Entwicklung eines Bluttests

 

 

Nach einer Studie, erschienen im Journal of Cellular Biochemistry (Band 104(1), Seite 286-294), haben deutsche Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn und Wissenschaftler der amerikanischen John-Hopkins-Universität jetzt einen Test in Aussicht gestellt, der bereits im Frühstadium von Dickdarmkrebs ein Protein im Blut erkennen lässt, das eine weitere sofortige Untersuchung durch Darmspiegelung rechtfertigt und notwendig macht.Da dieses Protein auch in seltenen Fällen bei Gesunden vorkommt, muss der Test durch die gleichzeitige Auswertung anderer Marker (das sind spezifische Stoffe die von einem von Krebs befallenen Organ ausgesendet werden) noch verbessert werden. Immerhin liegt die Treffsicherheit bisher schon bei 88,8 Prozent. Im Vergleich dazu ist der geläufige PSA Test (Abk. von Prostata-spezifisches Antigen) bei Prostatakrebs sogar weniger signifikant (84 Prozent). Allerdings kann man nach einem positiven PSA-Test (der nicht unbedingt Prostatakrebs bedeutet) durch weitere einfache Untersuchungen (Bestimmung der „freien PSA“ im Blut, Ultraschall und Abtasten der Prostata) einen Verdacht schnell weiter erhärten – bei Verdacht auf Dickdarmkrebs ist die Darmspiegelung unumgänglich.

 

Im Falle des neuen Dickdarmtests konzentrieren sich die weiteren Versuche der deutschen Wissenschaftlerin Dr. Gisela Walgenbach-Brünagel, zusammen mit den Wissenschaftlern der genannten US-Universität derzeit auf ein Dickdarmkrebs-spezifisches Antigen (colon cancer-specific antigen, CCSA-2), das im Kern von Dickdarmzellen die Genaktivität auf noch nicht bekannte Weise zu regulieren scheint.

 

Bis zur Entwicklung eines genügend gesicherten Tests wird man also noch einige Zeit auf häufigere Vorsorge-Dickdarmspiegelungen ab ca. dem 45. Lebensjahr nicht verzichten können. Bei frühzeitiger Erkennung sind ca. 50 Prozent aller Darmkrebserkrankungen heilbar.

 

(Mai 2008)

 

 

Anmerkung zur Entwicklung von Diagnostica (2012)

 

Es kann gar nicht oft genug darauf aufmerksam gemacht werden, dass von den ersten erfolgversprechenden Versuchen, bis zum einsetzbaren Test oft viele Jahre vergehen. Bei Arzneimitteln dauert die Entwicklungsphase ca. 13 – 15 Jahre, bei neuen Ergebnissen der Stammzellforschung und bei gentechnischen Anfangserfolgen kann die Entwicklungszeit erheblich länger dauern.

 

Die Entwicklungszeit für diagnostische Tests ist im Allgemeinen wesentlich kürzer, weil solche Tests außerhalb des Körpers stattfinden und daher keine Gefahr für den Menschen durch Nebenwirkungen besteht. Die Problematik bei der Entwicklung neuer diagnostischer Tests ist eine andere: die Tests müssen signifikant und für eine bestimmte Erkrankung eindeutig sein, das heißt, dass durch solche Tests eine Erkrankung weder zu oft übersehen wird, noch dass der Test zu viele falsch positive Ergebnisse liefert. Es ließe sich zwar einwenden, dass es besser sei, wenn ein Test etwas zu oft positiv reagiert, um eine Erkrankung nicht zu übersehen - das wäre nur bedingt von Vorteil, denn die dann unweigerlich folgenden Untersuchungen sind oft psychisch und physisch für den Patienten belastend, ganz abgesehen davon, dass sie bei zu häufigem falschen Alarm auch unsere Gesundheitssysteme stark belasten würden. Zudem würde ein Arzt durch Tests, die zu viele falsch positive Testergebnisse aufweisen, in Gewissensnot versetzt - wenn er nämlich einer aufgefundenen Spur nicht nachgeht, handelt er im Grunde fahrlässig.  Das Ziel der Forschung zur Früherkennung von Krankheiten durch Bluttests ist daher klar umrissen und die Entwicklungszeit eines Diagnosticums ist weitgehend durch Versuche bestimmt, um dem Arzt ein Werkzeug zu übergeben, das den oben genannten Forderungen entspricht.

 

(AR)

 

Quelle:Universitätsklinikum Bonn, http://www.ukb.uni-bonn.de/42256BC8002AF3E7/vwWebPagesByID/E91570E90A1A170FC1257448003DAE36

 

 

 

 

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg