Grippe in den USA - A/H3N2-Typ

 

  

Influenza Virus - Free of Copy Rights (von Mitarbeitern der US-amerikanischen Bundesregierung erstellt)

Die derzeitige Grippe in den USA ein A/H3N2-Typ

 

In den USA breitet sich, wie wir aus den Medien wissen, eine „saisonale Grippe“ in diesem Jahr früher und heftiger aus als erwartet. Im Staat New York wurde der Notstand ausgerufen, d.h. dass u.a. das Impfalter vorübergehend (für 30 Tage) auf Babys und Kleinkinder herabgesetzt wurde, weil es bis heute (14.11.2013) bereits ca. 20 Todesfälle bei Kleinkindern im Staat New York gegeben hat. Handelt es sich wirklich bei dieser Grippe um eine „normale“ saisonale Grippe? Eher nicht, sondern um den Subtyp A/H3N2, der insbesondere in den USA und in Europa verbreitet ist, aber bisher nur in den Jahren 1968 bis 1970 als Pandemie (Hongkong Grippe) auftrat(1). In Europa ist dieser Subtyp bei den identifizierten Erkrankungen bis jetzt (14.1.2013) noch sehr selten aufgetreten, auch kann bisher noch von keiner Grippeepidemie, geschweige denn einer Pandemie gesprochen werden.

 

Anm.: Die Definition ab wann man von einer Grippeepidemie spricht, ist unterschiedlich – das Wiener Gesundheitsamt spricht z.B. dann von einer Epidemie, wenn in Wien mehr als 10.000 Neuerkrankungen pro Woche auftreten.

 

Allgemeines zur Influenza

 

Die echte Grippe (Influenza) darf nicht mit „grippalen Infekten“ verwechselt werden, bei denen es sich um Erkältungskrankheiten durch Ansteckung mit Rhinoviren handelt, wie dies derzeit z.B. in Österreich weitgehend der Fall ist. Grippale Infekte lösen normalerweise nur Atemwegserkrankungen (Schnupfen, Bronchitis, gelegentlich verbunden mit Gliederschmerzen) aus, sind aber im Allgemeinen harmlos.

 

Gefährlicher sind echte Influenza-Erkrankungen, bei denen es neben den oben geschilderten Symptomen zu Komplikationen wie Lungenentzündungen und Herzmuskelentzündungen kommen kann, die sowohl viral, als auch bakteriell durch die allgemeine Schwächung des Immunsystems verursacht sein können. Obwohl normale Antibiotica gegen virale Erkrankungen unwirksam sind, ist die Behandlung mit trotzdem Antbiotica sinnvoll, weil damit zumindest bakterielle Folgeerkrankungen behandelbar sind.

 

Anm.: Bei der 1918 ausgebrochenen Grippe handelte es sich um eine „Spanische Grippe“, die in einem Jahr weltweit so viele Menschen tötete wie die Pest in einem ganzen Jahrhundert. Wie man heute weiß, starben die Menschen zum Großteil nicht an der Grippe selbst, sondern an Lungenentzündungen, gegen die es zu dieser Zeit noch keinerlei Gegenmittel (Antibiotica oder Virustatika) gab.

 

Warum tritt die Influenza bevorzugt in den Wintermonaten auf?

 

Die Frage ist nur zum Teil beantwortbar. Wesentlich ist, dass sich Influenzaviren (aber auch Rhinoviren), wie u.a. durch Tierexperimente an Meerschweinchen bewiesen werden konnte, in trockener, kalter Luft besser verbreiten als unter feuchten, warmen Bedingungen. So stecken sich Meerschweinchen bei warmen Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit von 80 % niemals gegenseitig an.

 

Darüberhinaus werden jedoch auch andere zusätzliche Ursachen einer Veränderung des Immunsystems in den Wintermonaten diskutiert, so z.B. eine in der dunklen Jahreszeit mögliche Veränderung des Melatoninspiegels oder ein Vitamin D3 Mangel. Man sollte jedoch nicht dem Fehler verfallen, der insbesondere in den USA weit verbreitet ist, sich mit Melatoninpräparaten „vollzustopfen“, denen auch eine nicht bewiesene anticarcinogene Wirkung zugesprochen wird. Ferner wird angenommen, dass die Nasenschleimhäute bei trockener Luft gegenüber Influenzaviren besonders aufnahmefähig sind.

 

Anm.: Melatonin ist ein in der Zirbeldrüse des Zwischenhirns aus Serotonin produziertes Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert.

 

Vorbeugende Maßnahmen und Impfung

 

An erster Stelle steht die Grippeimpfung, die jährlich an die veränderten Influenza-Subtypen angepasst wird. Wer allerdings im letzten Jahr nur gegen den Typ A/H1N1 geimpft wurde, hat bei einer eventuell auftretenden A/H3N2 Variante keinerlei Schutz. Grundsätzlich gilt jedoch, dass jährliche Schutzimpfungen einen Grundschutz bieten, da viele Influenzaviren Ähnlichkeiten aufweisen und daher auch bei neuen Varianten einen gewissen Schutz oder zumindest ein harmloseren Verlauf der Grippe wahrscheinlich machen.

 

Weitere Schutzmaßnahmen sind: Vermeidung, sich Tröpfcheninfektionen auszusetzen, beim Niesen oder Schnupfen Papiertaschentücher zu verwenden und sich nach öffentlichen Aufenthalten in Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln etc. die Hände zu waschen. Ferner tragen kurze Aufenthalte im Freien (ohne sich allzu lang der kalten Luft auszusetzen) und Wechselduschen mit Warm- und Kaltwasser zu einer wirkungsvollen Stärkung des Immunsystems bei.

 

Eine wissenschaftliche Übersicht zu der Wirkung von Impfmaßnahmen im Jahr 2011/2012 kann in einem Bulletin des Robert Koch-Institutes (2) abgerufen werden.

 

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(1) Ein Zitat zur Hongkong Grippe aus der Wikipedia-Enzyklopedie: Die Hongkong-Grippe brach 1968 aus. Sie war die letzte große Grippepandemie, bei der weltweit im Zeitraum von 1968 bis 1970 ca. 800.000 Menschen starben. Andere Zahlen sprechen von 750.000 bis 2 Millionen Toten. In Deutschland fielen rund 30.000 Menschen der Krankheit zum Opfer. Verursacher der Pandemie war das Influenzavirus A/H3N2. Wegen der nahen Verwandtschaft zur Asiatischen Grippe von 1957 war der Verlauf der Hongkong-Grippe milder, da die Immunabwehr bei den meisten Menschen noch Antikörper gegen den ähnlichen Influenzatyp H2N2 enthielt (Ende des Zitats)

 

(2) Bulletin des Rober-Koch-Institutes v. 15. Oktober 2012:

 http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2012/Ausgaben/41_12.pdf?__blob=publicationFile

 

(AR)

(15.1.2013)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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