Ipilimumab (Yervoy®) bei metastasiertem Melanom und fortgeschrittenem Prostatakrebs

 

 

 

Nach einer Pressemittelung der ESMO (28.Sept.2013) scheint bei metastasiertem Melanom eine Überlebenszeit von 10 Jahren möglich(1). Nach den Phase-III-Studien und der Zulassung 2011 wurde damals von einer etwas geringeren Überlebenszeit für etwa 20% aller Patienten ausgegangen: unter der Therapie mit Ipilimumab stieg das Ein-Zweijahres-Überleben von 25% auf 46% bzw. von 14% auf 24%, wobei einige Patienten nach 4 bis zu fast 10 Jahren noch am Leben waren (bei Patienten die drei Jahre überlebt haben, schien es wenig wahrscheinlich, dass die Krankheit danach wieder auftritt).

 

Zum Inhalt der ESMO Mitteilung(1): „Nach den von Stephen Hodi vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston vorgelegten Zahlen beträgt die mediane Überlebenszeit 11,4 Monate, wenn der Analyse die Daten von 1.861 Patienten aus prospektiven und retrospektiven Studien zugrunde gelegt wurden.

Wurden weitere 2.985 Patienten einbezogen, die nicht an klinischen Studien teilnahmen, sank die mediane Überlebenszeit auf 9,5 Monate, wobei es in der Medizin nicht untypisch ist, dass die Ergebnisse klinischer Studien im klinischen Alltag nicht erreicht werden.

Der Median ist der Mittelwert, das heißt, dass zu diesem Zeitpunkt noch die Hälfte der Patienten lebte. Nach drei Jahren waren es noch 22 Prozent (Studienteilnehmer) beziehungsweise 21 Prozent (Gesamtzahl) der Patienten. Bemerkenswert ist nun, dass sich auf der Überlebenskurve nach etwa drei Jahren ein Plateau abzeichnete. Nach diesem Zeitpunkt kam es kaum noch zu weiteren Todesfällen.

Die Nachbeobachtungszeit erstreckt sich mittlerweile über bis zu 9,9 Jahre. Auch unter früheren Therapien hat es vereinzelt Langzeitüberlebende gegeben, es handelte sich jedoch um Einzelfälle. Mit Ipilimumab könnte etwa ein Fünftel der Patienten das Melanom langfristig überleben.

Erstaunlich war, dass das Langzeitüberleben unabhängig von der Dosis (3 oder 10 mg/kg)  und der Vorbehandlung war oder davon, ob das Medikament nur vorübergehend oder dauerhaft gegeben wurde“. [zitiert aus (1)]

 

Ipilimubab (Yervoy®) ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper, der das Protein CTLA-4 (Cytotoxic T-Lymphocyte Antigen-4), welches die T-Zellaktivität herunterregelt und durch diese Blockade die Aktivität und die Proliferation der T-Zellen indirekt verstärkt(1). Die T-Zellen können dadurch Tumoren infiltrieren und zum Tumorzelltod führen. Bei Ipilimumab wurden alle drei Wochen insgesamt vier Dosen von 3 mg/kg Körpergewicht verabreicht. Vor jeder neuen Gabe müssen die Leber- und Schilddrüsenwerte analysiert werden, zusätzlich die Patienten auf Symptome von immunvermittelnden Nebenwirkung (u.a. Diarrhö und Kolitis) untersucht werden. Da Ipilimumab nicht über Cytochrom-P450- oder andere Enzyme des Metabolismus abgebaut wird, sind keine pharmakokinetischen Arzneimittelwechselwirkungen zu erwarten. Die meisten Nebenwirkungen wie Pruritus, Übelkeit, Erbrechen einschließlich scherwiegenderer Ereignisse sind durch geeignete Therapien beherrschbar.

 

Anm.: In einem früheren Beitrag in „Pharma Selected“ zum Thema „Aussichtsreiche Behandlung bei Melanom“ v. 13.4.2012 wurde von der Uni Köln über einen vielversprechenden, nicht näher beschriebenen Versuch an einem 74-jährigen Patienten mit der Kernaussage berichtet, dass eine bisher notwendige vollständige Entfernung des Tumors nicht erforderlich sei, sondern durch eine im damaligen Beitrag nicht näher beschriebene Behandlung, die Entfernung von 2 % des Tumors ausreichten, um zu einer vollständigen Heilung zu erzielen.

 

Da von weiteren Versuchen nichts bekannt wurde, gibt es jetzt neue Hoffnung durch das oben beschriebene Ipilimumab (Yervoy®), einen vollhumanen monoklonalen Antikörper und das neuerdings zugelassenes humanisierte monoklonale Pembrolizumab der Firma MSD (ein diesbezüglicher Beitrag folgt in „Pharma Selected“).

 

Ipilimumab möglicherweise auch bei fortgeschrittenem Prostatakrebs wirksam

 

Nach einer Publikation in „The Lancet Oncology“ (2) könnte nach Versuchen der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien Ipilimumab auch für die häufigste Krebsart, das Prostatakarzinom wirksam sein. Der Leiter Michael Krainer der urologischen Arbeitsgruppe der Abteilung Oncologie, der Uni Wien, Innere Medizin I, sagt: „Für uns ist es nahezu ein Wunder, dass die Immuntherapie auch in einem so späten Stadium der Erkrankung eine so deutliche Wirkung zeigt. Die Ergebnisse unserer Studie sind als weiterer großer Erfolg für die Immuntherapie von Karzinomen zu sehen.“ Weitere Studien werden voraussichtlich 2015 abgeschlossen sein.

 

(AR)

(10.7.2014)

 

Quellen:

 

(1) http://www.esmo.org/Conferences/Past-Conferences/European-Cancer-Congress-2013/News/ECC-2013-Press-Release-Longest-Follow-Up-of-Largest-Number-of-Melanoma-Patients-Treated-with-Ipilimumab-Shows-Some-Survive-up-to-Ten-Years

 

(2) http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(14)70189-5/abstract

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Dr. Alfred Rhomberg