Stammzellen - Hirnschlag

 

  

 

Bildquelle: (c) Wikipedia - Frischer Infarkt beim Menschen im Versorgungsgebiet der rechten Arteria cerebri media (zur Publikation freigegeben)

 

 

 

Wie wirken Stammzellen nach einem Hirnschlag?

 

 

Bei einem Schlaganfall gehen Nervenzellen zugrunde wodurch es zu den bekannten Lähmungen und geistigen Beeinträchtigungen kommt. Seit Jahren wird mit Stammzellen experimentiert, bisher gibt es jedoch wenige Erfahrungen am Menschen, u.a. wurde 2008 über eine solche Behandlung von Medizinern in Hannover(1) berichtet, die Stammzellen nach einem Schlaganfall direkt ins Gehirn implantiert haben. Ein 49 jähriger Patient mit deutlichen Sprach- und Lähmungserscheinungen fühlte sich (nach eigenen Aussagen) danach deutlich besser. Für die erste weltweite klinische Studie mit neuronalen Stammzellen bei Schlaganfall-Patienten wurde 2010 in Großbritannien grünes Licht gegeben(2) – bis jetzt ist über diese Studie noch nichts bekannt. Dagegen wurden inzwischen neue Ergebnisse bei Rattenversuchen gefunden.

 

Durch eine Forschungsgruppe um Mathias Hoehn am Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln konnte in einer Langzeitstudie an Ratten gezeigt werden, dass die Stammzellen vermutlich nicht die beschädigten Zellen reparieren, sondern den regenerativen Effekt allein durch ihre Nähe (paracrine effect) unterstützen. Für die Versuche musste zunächst ausgeschlossen werden, dass die Regeneration nicht durch eine Spontanheilung erfolgt, zusätzlich mussten die Stammzellen durch eine entsprechende Analytik sichtbar gemacht werden. Bei dieser Studie wurden bei 8 Ratten nach einem induzierten Schlaganfall nach 3 Wochen bei allen Tieren mittels Magnetresonanztomographie zunächst festgestellt, dass ein vollständiger Funktionsausfall vorlag. 4 Ratten erhielten eine Injektion von jeweils einer halben Million neuraler Stammzellen im infarktnahen Gebiet, von denen ca. 10 Prozent mit einem eisenhaltigen Kontrastmittel markiert worden waren, um im Scanner darstellbar zu sein. Über 24 Wochen wurden alle Tiere wiederholt getestet, wobei nach 7 – 10 Wochen bei zwei der behandelten Tiere wieder eine deutliche Hirnaktivität festgestellt werden konnte. Nach 24 Wochen waren keine Stammzellen mehr nachweisbar. Die Ergebnisse der Studie legen daher nahe, dass die beobachtete Funktionsverbesserung durch den vermittelnden Einfluss der injizierten Stammzellen hervorgerufen wurde. Das Team um Prof. Hoehn arbeitet nun an einer Optimierung der Versuche, u.a. unter Verwendung menschlicher Stammzellen.

 

Anm.: Stammzellentherapien haben zwar ein hohes therapeutisches Zukunftspotenzial, bei Schlaganfallpatienten muss jedoch berücksichtigt werden, dass derzeit noch ein hohes Risiko besteht und dass man den Patienten eine zusätzliche herkömmliche Therapie nicht verweigern darf. Daher ist auch die Abschätzung, inwieweit die Stammzellentherapie an einer Funktionsverbesserung mitbeteiligt ist, derzeit noch besonders schwierig.

 

(AR)

 

(2.10.2010)


Quelle: Pressemitteilung der Max-Planckgesellschaft vom 23. September 2010

(1) Spiegel.de/Wissenschaft/Mensch

(2) Grünes Licht für Stammzellentherapie beim Menschen in Großbrittanien

 

 

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg