Aimovig®, Erenumab – ein vollhumaner monoklonaler Antikörper gegen Migräne

 

 

Plötzlich auftretende und oft langandauernde oder chronische Migräneanfälle waren bisher nur unzureichend durch „Triptane“, das sind Präparate die sich strukturell vom Serotonin 5-HT und von 5-Carboxamidotryptamin ableiten, behandelbar. Meist sind zusätzliche Schmerzmittel wie Paracetamol oder Iboprufen erforderlich.

Migränepatienten können jetzt aufatmen: der Pharmakonzern Novartis hat zusammen mit seinem Partner Amgen nun auch die Zulassung für Aimovig® (Erenumab) zur Vermarktung in der EU erhalten, nachdem das gemeinsam entwickelte Mittel schon seit zwei Jahre in den USA und in der Schweiz im Handel war.

Aimovig® verfolgt einen Therapieansatz, bei dem ein vollhumaner monoklonaler Antikörper (Erenumab) präventiv auf den mit dem Calcitonin-Gen verwandten Peptidrezeptor CGRP (Calcitonin-Gene-Related-Peptid) abzielt und ihn blockiert. Es wird angenommen, dass dieser Rezeptor eine Schlüsselrolle bei der Auslösung von Migräne hat und die Signale überträgt, welche die starken Schmerzen verursachen. Durch Aimovig® werden die monatlichen Migräne-Tage und die Verwendung von akuten Migränemitteln laut diversen Studien signifikant reduziert. Laut Novartis und Amgen (30.11.2017) zeigte sich mit einer Einmalgabe von Erenumab (subkutan 70 oder 140 mg einmal im Monat) in einer sechsmonatigen randomisierten Studie mit 955 Patienten eine signifikante 3,7-tägige Reduktion der Migränetage gegenüber dem Ausgangswert von 8,3 Tagen (gegenüber Placebo).

Das Sicherheitsprofil von Erenumab war insgesamt mit Placebo vergleichbar und wurde während des gesamten klinischen Programms des Medikaments, u.a. in der LIBERTY-Studie gut vertragen, schreiben die Unternehmen. Keiner der Studienteilnehmer stoppte die Behandlung wegen Nebenwirkungen (2), (3).

 

Aimovig® wird in den USA zu einem Listenpreis von 575 Dollar monatlich (6.900 Dollar jährlich) verkauft. Das klingt teuer, der Preis ist jedoch im Vergleich zu anderen monoklonalen Antikörpern sehr niedrig. Die Herstellung solcher Antikörper verlangt hohes technisches know how und die Preise werden sich auch in Zukunft kaum wesentlich verringern. Hinzukommt, dass sich nach Ablauf der Patente solche Substanzen von Generica-Firmen nicht in identischer Form von „Biosimilars“ herstellen lassen. Man sollte daher bei solchen Arzneimittelpreisen berücksichtigen, dass Patienten mit chronischer Migräne im Berufsleben oft mehrere Tage pro Monat nicht arbeitsfähig sind.

 

(AR)

3.8.2018

 

Quellen:

 

(1)     https://arznei-news.de/erenumab/

(2)     © arznei-news.de – Quelle: Novartis, Nov. 2017

(3)     © arznei-news.de – Quellenangabe: American Academy of Neurology

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg