Multiple Sklerose – (BG-12) - Fumarsäure-dimethylester

 

 

 

 

 

Fumarsäuredimethylester (BG-12) - Strukturformel ohne copyrights

 

 

 

 

Multiple Sklerose – Fumarsäuredimethylester (BG-12), ein vermutlich aussichtsreicher und nebenwirkungsarmer Stoff um MS-Schübe zu mildern und zu verzögern.

 

Wer glaubt, dass Multiple Sklerose eine insgesamt eher seltene Erkrankung ist, irrt – allein in Deutschland gibt es derzeit ca. 130.000 Patienten im eher jungen Erwachsenenalter, 8150 in Österreich und weltweit ca. 2,5 Millionen Erkrankte.

 

Die Multiple Sklerose (MS), ist eine chronisch-entzündliche Entmarkungserkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), wobei die Ursache trotz intensiver Forschung noch nicht geklärt ist. Verstreut über das gesamte Nervensystem entstehen in der weißen Substanz von Gehirn und Knochenmark Entmarkungsherde, die wegen dieser „Verstreuung“ (daher der Name Multiple Sklerose) ganz unterschiedliche Folgen haben, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, außer, dass fast jedes neurologische Symptom (bishin zu Sehstörungen) auftreten kann. Eine Heilung der Krankheit gibt es bisher nicht.

 

Therapieversuche beginnen zunächst mit hochdosierten Glucocorticoiden, später mit Immunglobulinen wie Natalizumab oder Fingolimod und schließlich mit Immunsuppressiva, die alle erhebliche Nebenwirkungen aufweisen. Umso interessanter ist eine ursprünglich eher durch Zufall (Versuche mit Schuppenflechte, bei der auch MS-Patienten einbezogen waren) erkannte einfache und relativ nebenwirkungsarme Substanz (BG-12), deren Vorteile vom Department of Neurology, St. Josef-Hospital/Ruhr-University Bochum, Germany unter der Leitung von Ralf Gold, M.D et al. in Zusammenarbeit mit mehreren internationalen Arbeitsgruppen, entdeckt und im New England Journal of Medicine am 20. September 2012 publiziert wurden. Quellen siehe (1), (2) und (3).

 

In einer Placebo-kontrollierten Phase 3 Studie mit BG-12 (Fumarsäuredimethylester) wurden deutliche Verbesserungen des schubartigen Krankheitsverlaufes und der Schwere der Krankheitserscheinungen auch im MRI erkannt (siehe die oben genannten Fußnoten)

 

Die Nebenwirkungen von BG-12 (gastro-intestinale Fälle wie Diarrhöe, Übelkeit und Abdominal-Schmerz, eine verringerte Lymphozytenzahl, sowie erhöhte Leberaminotransferasewerte sind im Vergleich zu den Nebenwirkungen der oben genannten Standardmethoden eher harmlos. Im Rahmen der vorliegenden Studien wird von einer 50 prozentigen Reduzierung der Schubhäufigkeit und 90 Prozent weniger entzündlichen Herden berichtet.

 

Anm.: Fumarsäure ist u.a. ein natürliches Zwischenprodukt im Citratzyklus beim Menschen und anderen Säugetieren. Fumarsäurederivate (z.B. Fumarsäure-dimethylester, Fumaderm, Panaclar) wurden zwar unlängst in Konsumgütern verboten als Arzneimittel gelten sie jedoch als völlig unbedenklich.

 

Quellen:

 

(1)  http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1114287

(2)  http://www.businesswire.com/news/home/20120424006733/de/

(3)  http://www.dgn.org/pressemitteilungen/multiple-sklerose-fumarat.html

 

(AR)

 

(19.12.2012)

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg