Monoklonalen Antikörpern gehört die Zukunft der Arzneimittelentwicklung

 


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Monoklonalen Antikörpern gehört die Zukunft der Arzneimittelentwicklung

 

Vielfach wird bedauert, dass die Entwicklung klassischer Arzneimittel, insbesondere von Antibiotika stagniert. Der wesentliche Grund ist, dass die Entwicklung neuer Arzneimittel enorm teuer ist, eine breite Palette von Generica den Bedarf bereits abdeckt und sich die Entwicklung von Antibiotika für spezielle seltene Keime (die leider oft noch kaum behandelbar sind) für die Pharmafirmen wegen der geringen Umsätze nicht rentiert.

 

Auch monoklonale Antikörper sind extrem teuer und werden sich in Zukunft nicht wesentlich verbilligen – sie werden deswegen noch zu wenig eingesetzt, obwohl sie gerade für schwere immer häufiger werdende Krebsbehandlungen enorme Vorteile gegenüber gängigen Chemotherapeutika (mit den bekannten Nebenwirkungen) aufweisen. Monoklonale Antikörper werden heute meist nur nach 1-2 erfolglosen Chemotherapeutikabehandlungen oder in Kombination mit diesen gegeben. Die Firmen rechnen damit dass, wenn weiterhin gute Ergebnisse vorliegen, gleich mit diesen Substanzen behandelt wird, was die Gesamtkosten für die Krankenkassen insgesamt verbilligen würde.

 

Derzeit sind 16 monoklonale Antikörper zugelassen bzw. auf dem Markt, weitere 100 Produkte befinden sich in ausgedehnten Studien mit noch unsicherem Erfolg. Seit Einführung des Präparats MabThera (Rituximab) gegen Non-Hodgkin-Lymphome im Jahr 1998 durch Genentech bzw. Roche ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten und ein Segen für die moderne Krebstherapie, weil solche Präparate speziell auf die Vernichtung von Krebszellen abzielen, Strahlenschäden vermeiden und Schäden an gesundem Gewebe (wie durch klassische Chemotherapeutika) vermeiden. Außerdem sind die Präparate meist ambulant anwendbar wodurch weniger Krankenhausaufenthalte erforderlich sind.

 

Was sind monoklonale Antikörper und welche Typen gibt es derzeit?

 

Monoklonale Antikörper sind immunologisch aktive Proteine, die von einer auf einen einzigen B-Lymphozyten zurückgehenden Zelllinie (Zellklon) produziert werden und die sich gegen ein einzelnes Epitop richten.

 

Anm.: Ein Epitop ist ein Bereich der Oberfläche eines Antigens, an den ein Antikörper oder T-Zell-Rezeptor spezifisch bindet.

 

Man unterscheidet heute drei verschiedene Arten von monoklonalen Antikörpern, die auch an der inzwischen üblichen Nomenklatur der Präparate erkennbar sind (die Endung –mab steht stets für „monoklonale Antikörper):

 

  1. Chimäre Antikörper: Endung –ximab,  der konstante Teil des Immunglobulins besteht aus humanen Peptidsequenzen, nur der variable Teil der Antigen-bindenden Fragmente (fab) enthält noch Mausprotein (Abciximab wurde 1995 als erster chimärer Antikörper als Arzneimittel zugelassen), dabei werden nicht der ganze Antikörper, sondern nur die fab-Anteile eingesetzt.

 

  1. Humanisierte Antikörper: Endung –zumab, nur die Antigenbindungstellen sind Mausprotein (z.B. Bevacizumab, Avastatin®, siehe dieses Magazin).

 

  1. Humane Antikörper: Endung –umab, voll humanes Protein (z.B. Denosumab gegen Osteoporose, siehe dieses Magazin)

 

Die meisten derzeit im Handel befindlichen monoklonalen Antikörper sind humanisierte Antikörper.

 

Die Herstellung von monoklonalen Antikörpern

 

Das Prinzip der Technik wurde erstmals 1975 von César Milstein, Georges Köhler und Niels Jerne publiziert (1), (Nobelpreis für Medizin 1984). Die Technik beruht auf der Verschmelzun von Antikörper-produzierenden B-Zellen mit Zellen einer Myellom-Zelllinie. Es entstanden hybride Zellen, die unbegrenzt Antikörper einer bestimmten Spezifität produzieren (Hybridom-Technik).

 

Auf die komplizierte Weiterentwicklung soll hier nicht näher eingegangen werden, sie ist aber recht gut in der Wikipedia Enzyklopedie unter „Monoklonale Antikörper“ beschrieben.

 

Es ist zu hoffen, dass in der Zukunft auch bei anderen schweren Erkrankungen (Alzheimer, Muliple Sklerose etc.) ähnliche Stoffe gefunden werden – dazu müsste es jedoch erst gesicherte Ansatzpunkte in diesen Forschungsbereichen geben.

 

(AR)

(28.8.2013)

 

Quellen u.a.

 

(1)  Köhler, G. & Milstein, C. (1975): Continuous cultures of fused cells secreting antibody of predefined specificity. In: Nature. Bd. 256, S. 495–497. PMID 1172191.doi:10.1038/256495a0, Nachdruck in: J. Immunol. Bd. 174, S. 2453–2455. PMID 15728446 PDF


Siehe auch: Pharmazeutische Zeitung: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2131

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg