Harvoni®, ein Kombinationspräparat (Ledipasvir/Sofosbuvir) gegen Hepatitis C

Chemische Struktur, free of copyrights
Sofosbuvir, chemische Struktur free of copyrights

In den Medien wird in der letzten Zeit öfter über Hepatitis E Infektionen berichtet und darüber, dass sich in unseren Breiten immer mehr Menschen damit infizieren. Es ist davon auszugehen, dass sich ein Großteil der Betroffenen durch Reisen in südostasiatische, zentralasiatische und indische Regionen infiziert haben. Die Übertragung erfolgt wie bei Hepatitis A durch mangelnde Hygiene, chronische Verläufe gibt es ebenso wenig wie Impfungen und Therapien. Eine Hepatitis E-Infektion ist nur schwer von Hepatitis A zu unterscheiden, die Symptome sind jedoch schwerer und ca. 0.5 % Erkrankungen enden tödlich. Eine dauernde Immunisierung erfolgt nicht, man kann sich später also jederzeit wieder anstecken.

 

Wesentlich ernster zu nehmen sind die gleichfalls viralen Hepatitis B und C Infektionen. Abgesehen von ihrer weltweiten Verbreitung (bei ca. 400 Mio bzw. 140 Mio Menschen sind nach einer Heilung noch immer Antigene nachweisbar), neigen beide Erkrankungen zur Chronifizierung (chronische Leberentzündungen, Leberirrhose), wobei die Anfangssymptome bei Hepatitis C zunächst harmloser als bei Hepatitis B erscheinen. Beide Erkrankungen sind schwer therapierbar, während es jedoch gegen Hepatitis B seit 1982 eine vorbeugende Schutzimpfung gibt, ist gegen Hepatitis C bis heute keine Schutzimpfung zugelassen.

 

Im Gegensatz zu Hepatitis E sind HP-B und HP-C praktisch nur durch Blut- und Blutserumkontakte übertragbar, weshalb bestimmte Personengruppen (Drogensüchtige und medizinisches Personal) besonders gefährdet sind.

 

Persönliche Anmerkung: Da in den ersten Impfstoffen Anfang der 80-iger Jahre noch gelegentlich Australia-Antigen nachweisbar waren, wurden die Mitarbeiter der Firma des Autors (ehemals Boehringer Mannheim GmbH), die mit Blutseren arbeiten mussten (analytisch-chemische und medizinische Forschung) nicht geimpft, sondern im Umgang mit Seren besonders geschult, sodass in den Folgejahren keine einzige Hepatitis B Erkrankung erfolgte. Diese Schulung war auch deswegen nützlich, weil es bei den späteren Arbeiten mit HIV-infizierten Seren daher auch niemals zu HIV-Infektionen von MitarbeiterInnen kam. 

 

Hepatitis C

 

Von Gilead Sciences wurde 2014 eine klinische Phase-III Studie mit einem Kombinationspräparat aus Ledipasvir und Sofosbuvir abgeschlossen, das jetzt eine EU-Zulassung erhalten hat (1). Sofosbuvir war bereits 2014 zugelassen, die neue Kombination Harvoni® bietet jedoch durch den neuen Wirkstoff Ledispasvir deutliche Vorteile zur Behandlung von Hepatitis C. Die Behandlung erfolgt durch eine Tablette täglich (normalerweise 8 Wochen) bei Patienten die keine oder eine kompensierte Leberzirrhose haben. Mit Ribavirin kombiniert kann das Präparat auch bei Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose oder bei vorhergehendem Therapieversagen oder einer HIV-Koinfektion angewendet werden (Therapie ca. 24 Wochen), eine Kombination mit Interferon ist nicht erforderlich.

 

Sofosbuvir ist ein Nucleotid Prodrug, der aktive Metabolit hemmt das RNA-abhängige Enzym NS5B-Polymerase, welches zur Vermehrung des Hepatitis-C-Virus norwendig ist, ohne humane DNA- oder RNA-Polymerasen zu hemmen. Über die Substanz als Monotherapie wurde in diesem Magazin bereits 2014 berichtet(2).

 

Ledispasvir

 

Die antiviralen Eigenschaften von Ledispasvir beruhen auf der Bindung an das virale Protein NS5A (Non-Structural Protein 5A). Im Unterschied zu anderen antiviralen Hepatitis C Medikamenten handelt es sich bei der molekularen Zielstruktur jedoch nicht um ein Enzym sondern um ein Phosphoprotein, das für die Replikation des Hepatitis C-Virus wichtig ist (3).

 

Kosten: Die Kosten des Kombinationspräparates Harvoni® sind mit 22.260 Euro (Juli 2015, 28 Filmtabletten) relativ hoch und stellen für Krankenkassen ein Problem dar. In Anbetracht der Gesamtkosten bei der oft langwierigen und erfolglosen herkömmlichen Behandlung sollten diese Kosten jedoch vertretbar sein.

 

Über Einzelheiten und Nebenwirkungen des Kombinationspräparates Harvoni® wird in einer Information der Arzneimittelkommision der deutschen Ärzteschaft ausführlich berichtet(4).

 

Um diesen Beitrag zu viralen Hepatitis-Infektionen zu vervollständigen, bleibt nur noch das Hepatitis-D-Virus zu erwähnen. Dieses ist ein inkomplettes RNA-Virus das auf die Helferfunktion von Hepatitis-B-Viren angewiesen ist und daher nur bei PatientInnen vermehrungsfähig ist, wenn diese Hepatitis-B-positiv sind. Therapeutisch sind die (seltenen) Hepatitis-D-Infektionen nur schwer bis gar nicht therapierbar, Nucleosid- oder Nucleotid Analoga sind im Gegensatz zu Hepatitis-B-Infektionen völlig wirkungslos.

 

(AR)

(27.7.2015)

 

Quellen:

  1. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=55142
  2. http://www.pharma-select.net/infektionskrankheiten/sofosbuvir-sovaldi-ein-durchbruch-bei-der-hepatitis-c-behandlung/
  3. http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Ledipasvir
  4. http://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/NA/Archiv/201502-Harvoni.pdf

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg