DNp73 - ein Schlüsselprotein, das Melanom-Tumorzellen die Ausbreitung (Metastasierung) im Körper ermöglicht

 

Wie bei anderen Krebsformen sterben PatientInnen beim Hautkrebs Melanom meist nicht am eigentlichen Tumor, sondern an durch den Tumor verursachten Metastasen. Unter dem Titel „Durchbruch in der Krebsforschung“ wurde von der UNI Rostock ein bisher nicht bekanntes Schlüsselprotein (DNp73) in Tumorzellen nachgewiesen, das die Ausbreitung der Tumorzellen im Körper ermöglicht (2).

 

Es muss an dieser Stelle vermerkt werden, dass der Titel der UNI Rostockmitteilung eine Verallgemeinerung auf das Problem „Krebsmetastasen“ wohl nicht zulässt, ebenso wenig wie die zu Grunde liegende Arbeit in Cancer Cell (1) bzw. (2 und 3), da sich die Untersuchungen nur auf die Metastasierung des Melanoms beziehen. Trotzdem sind die Arbeiten des Instituts für Experimentelle Gentherapie und Tumorforschung (IEGT) der Med-Universität Rostock unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Brigitte Pützer (Direktorin) ein wichtiger Schritt für das Verständnis der Melanom-Metastasierung.

 

Normalerweise entscheiden Tumorsuppressoren aus der p53-Familie darüber, ob Fehler in der Erbsubstanz von Zellen repariert werden können. Ist eine Zelle zu stark geschädigt, veranlasst p53 deren programmierten Zelltod. Auch das mit p53 verwandte Protein p73 wacht darüber, dass der Organismus von krebsartigen Entartungen verschont bleibt. Bei vielen Krebsformen ist p53 selbst außer Kraft gesetzt, jedoch offenbar nicht beim malignen Melanom: „Aus unserer Arbeit über den Schwarzen Hautkrebs wussten wir, dass dessen Zellen zwar intaktes p53, aber große Mengen an unvollständigem p73 enthalten“ sagt Frau Professor Pützer. „Je aggressiver die Melanomzellen, desto mehr der DNp73 genannten Proteinform ist vorhanden“, so ihre Erkenntnis (Zitat aus der Publikation der Uni Rostock).

 

Die Beweisführung gelang den WissenschaftlerInnen dadurch, dass die Bedeutung von DNp73 zunächst durch eine gezielte Manipulation mit Hilfe viraler Faktoren in gering aggressiven und hochgradig aggressiven Melanomzelllinien untersucht wurde. Wurde DNp73 in die wenig aggressiven Melanomzellen eingebracht, so verhielten sich diese sofort wie aggressive Zellen. Umgekehrt verloren aggressive Melanomzellen ihren bösartigen Charakter, wenn in hochinvasiven Zellen die Bildung von DNp73 unterdrückt wurde. Um zu wissen ob DNp73 auch an den „richtigen Stellen“ gefunden werden kann, verglichen die Wissenschaftlerinnen Tumormaterial anderer deutscher Universitäten, da dieses Material nach operativen Eingriffen vorlag und von den Ärzten gerade beim Melanom nach ihrer Eindringtiefe gemessen werden. Durch die Analyse des Tumormaterials wurden die experimentellen Ergebnisse bestätigt, da in den tiefsten Schichten der Hautkrebsproben die jeweils höchste Konzentraion an DNp73 gefunden wurde.

 

„Unsere Ergebnisse ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Tumoren bereits im prä-invasiven Stadium und geben Hoffnung auf neue Wege in der Bekämpfung fortgeschrittener Krebserkrankungen“, resümiert Pützer den erreichten Forschungsstand an der Universitätsmedizin Rostock (Zitat aus der Publikation der Uni Rostock).


(AR)

(27.10.2013)

 

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Quellen:

(1)Originalquelle: Cancer Cell 24, 512–527, October 14, 2013

(2) http://www.uni-rostock.de/detailseite/news-artikel/durchbruch-in-der-krebsforschung/

(3) http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1535610813003693

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg