Erfolgreiche Behandlung von Leukämie mit durch deaktivierte HI-Viren gentechnisch veränderten T-Zellen?

 

 

 

 

 

In einigen deutschen Nachrichtensendern wurde in den letzten Tagen über die sensationelle Heilung eines an Leukämie erkrankten Mädchens in den USA berichtet, bei dem zwei unterschiedliche Chemotherapien nicht mehr ansprachen und das daher als „austherapiert“ galt, jetzt jedoch durch eine Therapie mit gentechnisch veränderten T-Zellen (Helferzellen des Immunsystems) vorläufig erfolgreich als geheilt gilt. Nicht erwähnt wurde in den Nachrichtensendern, dass es sich derzeit um eine noch äußerst riskante Therapie handelt und es sehr viel Forschungsarbeit bedarf, um daraus eine sichere, allgemein anwendbare Therapie zu machen.

 

Tumorzellen besitzen viele Eigenschaften der Zellen aus denen sie entstanden sind, sodass die T-Zellen, die dazu dienen um Fremdzellen (u.a. Bakterien) nicht mehr als Fremdzellen zu erkennen und diese daher wirkungslos gegen die weitere Ausbreitung der Krebszellen machen. Diese Eigenschaft haben Tumorzellen mit dem HI-Virus gemein, das die Helferzellen gleichfalls so manipuliert, dass sie von den T-Zellen nicht mehr als Fremdkörper erkannt werden, weshalb sich das HI-Virus daher mühelos ausbreiten kann.

 

Nach dem Bericht wurden körpereigene T-Zellen des Mädchens extern durch deaktivierte HI-Viren so umprogrammiert (siehe Anm.) und gestärkt, dass sie nach der Wiedereinschleusung in den Körper die aggressiven Leukämiezellen abtöten konnten, wodurch das Mädchen geheilt werden konnte(1).

 

Anm.: Durch die Umprogrammierung enthalten die T-Zellen auf ihrer Oberfläche ein bestimmtes Protein und werden zu sogenannten CART-Zellen (chimäre Antigen-Rezeptor-T-Zellen) die in der Lage sind, die sogenannten B-Lymphozyten im Blut des Patienten, darunter auch die krankhaft wuchernden Lymphzellen zu attackieren. Ähnliche Versuche gibt es auch mit anderen HIV-ähnlichen Retroviren(2))

 

Das klingt plausibel und vielversprechend, im berichteten Fall kam es allerdings zu einer ausgeprägten Zytokinausschüttung, die bei Immunreaktionen nicht unerwartet auftritt, die jedoch in diesem Ausmaß nicht erwartet wurde. Die zunächst als gesunde Abwehrreaktion gedeuteten Symptome, die einer Grippe ähneln, wurden so stark, dass das Mädchen in äußerst kritischem Zustand in die Intensivstation verlegt werden musste, wo es dann gelang die Reaktion einzudämmen. Das Mädchen gilt vorerst als geheilt, Leukämiezellen konnten nach ca. einem halben Jahr nicht mehr nachgewiesen werden. Ob dies eine Heilung auf Dauer ist, kann derzeit noch nicht beurteilt werden.

 

Insgesamt wurden bisher nur wenige Menschen mit dieser Methode behandelt bei denen eine herkömmliche Therapie erfolglos war und die für eine Knochenmarkstransplantation ungeeignet waren. Über den Erfolg widersprechen sich die Literaturstellen. Behandelt wurden insgesamt 12 Patienten, bei denen neun Patienten positiv ansprachen, andere Stellen berichten, dass sich bei vier Patienten der Zustand zwar besserte, eine Heilung jedoch nicht gelang. Es sind daher weitere umfangreiche Studien erforderlich.

 

Einige große Pharmafirmen, darunter auch Novartis, versprechen sich von dem Ansatz mit „CART-Zellen“ einen Durchbruch bei allen Tumorerkrankungen, die durch Proliferation von B-Zellen entstehen (z.B. lypmphatische Leukämie). Sofern die Versuche ausgereift sind, würde dieser Ansatz die wesentlich kostspieligere Knochenmarkstransplantation ersetzen.

 

(AR)

(22.3.2013)

 

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Quellen zum Beitrag:

 

(1) http://de.euronews.com/2012/12/13/aidsvirus-hilft-bei-behandlung-von-leukaemie/

 

(2) http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52693/Leukaemie-HIV-artige-Viren-helfen-beim-Heilversuch

 

 

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg