Elaidinsäure

 

 

 

Versuche zur Wirkungsoptimierung von Krebsmedikamenten mit Elaidinsäure

  

 

Die unkontrollierte Zellteilung von Krebszellen wird weitgehend durch chemische Veränderungen an den Genen u.a. durch die Anheftung von Methylgruppen durch Enzyme wie DNA-Methyltransferasen verursacht.

 

Es gibt seit einiger Zeit Medikamente wie Azacytidin und Decitabin (Desoxy-Azacytidin), welche solche Mutationen wie die Methylierung wieder rückgängig machen können. Bisher haben sich diese Stoffe jedoch nur bei bestimmten Blutkrebsformen bewährt. Die Medikamente werden in das Erbgut der Zellen eingebaut, bilden feste Bindungen mit den Methyltransferasen und bewirken dadurch, dass diese keine epigenetischen(1) Veränderungen der Gene mehr durchführen können. Im Gegensatz zu Veränderungen am Bauplan des Erbguts können epigenetische Mutationen jedoch wieder rückgängig gemacht und damit die Krebszelle wieder in den Normalzustand zurückversetzt werden.

 

Ein Nachteil von Substanzen wie Azacytidin und dem nahe verwandten Desoxy-Analogon Decitabin ist die schlechte Bioverfügbarkeit dieser Substanzen. WissenschaftlerInnen aus der Gruppe von Professor Frank Lyko im Deutschen Krebsforschungszentrum suchten nach Azacytidin-Varianten mit verbesserter Wirksamkeit, weil sie vermuten, dass die relativ schlechte Wirksamkeit dadurch verursacht wird, dass nicht ausreichende Mengen der Wirkstoffe durch die Zellmembran in das Zellinnere eindringen. Das norwegische Unternehmen Clavis Pharma produzierte Azacytidin-Varianten mit modifizierten chemischen Eigenschaften, unter den untersuchten Substanzen erwies sich CP-4200, ein Kopplungsprodukt aus Azacytidin und einer Fettsäure(2) (Elaidinsäure), bei Experimenten in Zellkulturen als besonders erfolgreich.

 

Da der oben beschriebene Methylierungsprozess nicht nur bei Blutkrebs sondern ganz allgemein im Krebsgeschehen eine wichtige Rolle spielt, könnten aus diesen Arbeiten mit altbekannten Substanzen wie Azacytidin neue Krebsmedikamente entstehen – der Weg zu einsatzfähigen Medikamenten ist nach den Erfahrungen des Autors dieses Beitrags allerdings stets länger als solche sinnvollen Forschungsansätze vermuten lassen.

 

(AR)

 

 

(1) Epigentische Veränderungen sind Zelleigenschaften, die auf Tochterzellen vererbt werden und nicht in der DNA-Sequenz dem also dem Erbgut festgelegt sind. Es handelt sich um Veränderungen an den Chormosomen, wodurch Abschnitte oder ganze Chromosomen in ihrer Aktivität beeinflusst werden. Die DNA-Sequenz wird dabei jedoch nicht verändert.

 

(2) Dass die Bioverfügbarkeit von Wirkstoffen durch Kopplung mit Fettsäuren einer bestimmten molekularen Länge durch eine Verbesserung der Zellmembran-Durchlässigkeit erhöht wird, ist keineswegs neu, die Fettsäuren haben dabei keinen eigenen Wirkmechanismus, sondern dienen als Wirkstoffvehikel, wobei der an sich lipoide (fettlösliche) Kohlenwasserstoff durch die Carbonsäuregruppe gleichzeitig einen hydrophilen (wasserlöslichen) Charakter annimmt.

 

 

Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20442313

 

(8.4.2010)

 

 

 

 

 

 

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg