Alirocumab und Evolocumab (Repatha®) – monoklonale Antikörper für eine effektive Lipidsenkung

 

 

In den Tageszeitungen(1) wurde in letzter Zeit gelegentlich von zwei neuen monoklonalen Antikörpern berichtet, die in der Lage sind, die Cholesterinblutwerte (und hier speziell das schädliche LDL) um mehr als 60 % zu senken(2). An diesen Stoffen wird seit etwa 2003 gearbeitet und zumindest bei Alirocumab liegt eine neuere Veröffentlichung vom April 2015 in „New England Journal of Medicine“ vor(3), die erwarten lässt, dass es bald zu einer Zulassung kommt. Bedeutung haben solche Stoffe in erster Linie für Patienten, die Statine nicht vertragen oder aus familiären Gründen an Hypercholesterämien leiden, wobei die neuen Stoffe den Statinen stark überlegen sind und kaum Nebenwirkungen zeigen. Aber auch die Kombination mit Statinen ist in Extremfällen möglich.

 

Wirkweise:

 

Beide genannte Antikörper wirken als Inhibitoren des menschlichen Enzyms PCSK9 (Protein convertase subtilisin/kexin typ 9). Als monoklonaler PCSK9-hemmender Antikörper bindet z.B. Alirocumab gezielt Serum-PCSK9, dadurch werden die Bildung von LDL-Rezeptor-PCSK9-Komplexen und die intrazelluläre Degradation des LDL-Rezeptors verhindert und LDL-Cholesterin kann daher von den LDL-Rezeptoren aufgenommen und in der Zelle abgebaut werden.

 

Zur klinischen Entwicklung:

 

2003 wurde festgestellt, dass bestimmte Mutationen am PCSK9-Gen mit Hypercholesterämien verbunden sind und bei „Loss-of-function-Mutationen“ niedrigere LDL-Cholesterispiegel und ein niedrigeres Risiko für koronare Herzkrankheiten resultieren.

 

Im Mai 2013 wurde auf der Pharmacon Meran der vollhumanisierte monoklonale Antikörper Alicocumab als der am weitesten entwickelte PSKS9 Hemmer vorgestellt. 2011 wurden die ersten Phase-I-Studienmit Alirocumab durchgeführt, wobei bei mit Statinen vorbehandelte Patienten eine zusätzliche Senkung des LDL-Cholesterins von 40 – 60 % durch subkutan gegebenes Alirocumab innerhalb von zwei Monaten erreicht wurde. Auch in einer Phase-II-studie wurden Ergebnisse bekannt, bei denen trotz persistierenden erhöhten LDL-Cholesterinwerten nach Atorvastin-Behandlung mit steigenden Dosen von Alirocumab-Injektionen eine zusätzliche Senkung des LDL von 40 –72 % erreicht wurde, während in der Placebogruppe (Patienten die nur mit Atorvastatin behandelt wurden) nur eine Senkung von 5 % beobachtet wurde.

 

Im April 2015 wurde nun eine Phase-III-Studie (ODYSSEY LONG TREM-Studie) veröffentlicht, welche die Ergebnisse in Form einer randomisierten Doppelblindstudie bestätigten, wobei außer geringfügigen reversiblen kognitiven Störungen keine erhöhten Nebenwirkungen auftraten. Zur gleichen Zeit wurden ähnliche Ergebnisse auch in Studien mit Evolucumab bestätigt. In beiden großangelegten Studien wurden während 78 Wochen etwa 50 % weniger Herzinfarkte oder Schlaganfälle beobachtet, als dies bei Patienten mit schweren Cholesterinhyperämien in diesem Zeitraum bekannt ist.

 

Hersteller- bzw. Entwicklerfirmen: Alirocumab wurde von Regeneron Pharmaceuticals in Zusammenarbeit mit Sanofi, Evolocumab von Amgen entwickelt.

 

(AR)

(22.6.2015)

 

Quellen:

  1. http://derstandard.at/2000017599742/Moegliche-neue-Waffe-gegen-boeses-Cholesterin
  2. http://argeniere.at/blog/2015/05/02/extreme-cholesterinsenkung-durch-monoklonale-antikoerper/
  1. http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1501031

 

 

Pharmaka sind Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke, allerdings gilt der von Paracelsus (1493-1541) geprägte Satz:

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“.

 

Paracelsus machte sich bei seinen Vorlesungen in Basel oft unbeliebt weil er sie 1). auf deutsch hielt und 2). die vorherrschende Meinung der Humoralpathologie des Galen oft als Bücherweisheit medizinischer Gelehrter kritisierte.

 

 

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© Dr. Alfred Rhomberg